VALBORG – Endstrand [review]

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Es ist meiner rund 4-jährigen Metal-Blog-Podcast-Pause (kurz 4MBPP) geschuldet, dass großartige Bands wie VALBORG an mir vorbeigegangen sind. Warum? Nun, als Blogger und Podcaster gräbst du tief, hörst in unzählige Releases rein und vor allem folgst du Spuren – die eine Band referenziert wieder zu 3 anderen Bands und die wieder zu weiteren, so bekommt man ein sehr umfangreiches Szene-Bild.

Das ist hier bei VALBORG geschehen. In diesem Review von Metal1 zu „Black Earth“ von Process of Guild hat der Autor dankenswerterweise massives Namedropping betrieben. VALBORG waren die, die ich noch nicht kannte.

Um es kurz zu machen: „Endstrand“ von VALBORG ist ein Geniestreich. Dass ich als jemand, der selber einmal in einer Metalband mit deutschen Texten für so ein Werk natürlich besonders empfänglich bin, versteht sich von selbst. Aber wäre diese Platte scheiße, würde ich es auch schreiben, trotz des lokalen Bonus.

VALBORG hauen hier einen Hassbatzen raus, den man einfach feiern muss. Da steckt unglaublich viel EISENVATER drin, entsprechend auch eine Brise TOTENMOND und MELVINS, die schon erwähnten PROCESS OF GUILD und vor allem: ganz viel HELLHAMMER. Kein Wunder, dass auch Großmeister Tom G. Warrior dieser Band seinen Segen gibt. Große Liebe!

Aber natürlich sind VALBORG ihre eigenen Männer und sehr eigenständig. Das Ding kratzt und beißt, die Songs sind mal groovy wie die Sau und mal einfach atmosphärisch und dynamisch. Die teils rotzige Punk/Hardcore-Attitüde ist zumeist nicht so ganz mein Ding, aber Bands wie VALBORG und z. B. auch CODE ORANGE oder NAILS weben das so geschickt in ihren Gesamtsound, dass es einfach stimmig ist.

Also: Drei Daumen hoch für VALBORG. Kaufen, Leute!

Chance vertan: MORBID ANGEL – Kingdoms Disdained [review]

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Mit viel Vorfreude, angefeuert durch den vorab veröffentlichten Song „Piles Of Little Arms“, habe ich dem Release von „Kingdoms Disdained“ entgegengesehen. Und ich muss sagen, dass ich etwas enttäuscht bin.

Mir reicht es nicht, dass MORBID ANGEL „jetzt endlich wieder Death Metal macht“. Dass dieser Release um Lichtjahre besser ist als „Illud“ versteht sich von selbst, das ist aber auch keine Kunst. Eine Kunst wäre es gewesen, jetzt eine Scheibe rauszuhauen, die nicht nur geil klingt, sondern auch geiles Songmaterial hat. Nur genau da versagt „Kingdoms“ auf weiten Strecken.

Ich weiß echt nicht, warum so viele Künstler nach Jahrzehnten im Business es schlichtweg zu verlernen scheinen, gute Songs zu schreiben. Was spricht gegen Refrains? Was verdammt noch mal ist falsch daran, den Fans was zum Mitgrölen zu liefern? Diese zumeist ziellose Rumgeriffe der Saiteninstrumente, dieses langweilige und ermüdend undynamische Death-Metal-Gebrummel von Steve Tucker – das ergibt nur in wenigen Fällen wirklich gute Songs.

Und so plätschert diese wirklich gute Rutan-Produktion (erstes Highlight) mit einem sehr gut aufgelegten Scott Fuller an den Drums (zweites Highlight) an mir vorbei, ohne mich wirklich zu überzeugen. Ja, es klingt alles unverkennbar nach MORBID ANGEL. Ja, Trey kann Riffs – aber muss dieser Release so klingen, als würde Trey seine Lieblings-Riffs aneinanderklöppeln und Steve liest dazu das Telefonbuch der Hölle vor?

Ich bin enttäuscht und stehe dazu. Da wäre mehr drin gewesen, wenn man keine „Tracks“ geschrieben hätte sondern „Songs“… SONGS, Leute!

MACHINE HEAD – Beyond The Pale [track]

 

Das neue KORN-Album kommt also von MACHINE HEAD? Oh Gott, ist das schwach.

Vielleicht war ich nie ein wirklicher Fan von MH, alles nach dem ersten Album finde ich einfach schwach, uninspiriert und doof. Und auch dieses neue Lebenszeichen… nee, Jungs,

Dabei WILL ich die mögen, weil ich Robb Flynn als Mensch und Musiker eigentlich sehr schätze, aber der Output seiner Haupt-Band? Sorry, ich bin raus.

AMPLIFIER – Freakzone [track]

 

Es gibt eine neue AMPLIFIER und ich habe nix davon mitbekommen. Das Werk heisst „Trippin´ with Dr Faustus“ und haut mich – wie alles Andere ausser dem Debut und mit Abstrichen „Insider“ – nicht wirklich vor Begeisterung aus den Latschen.

Irgendwie versuchen AMPLIFIER seit über 10 Jahren, mit der einmal gefundenen Formel so dermaßen in den Sonnenuntergang zu reiten, dass es (jedenfalls mir) keinen Spass mehr macht.

Ist also nicht wirklich schlimm, dass ich diesen Release verpasst habe. Schade irgendwie.

SONS OF APOLLO – Psychotic Symphony [review]

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Nun ist es also da, das Debutalbum der nächsten „echten Fulltime-Band“ von Mike Portnoy, Billy Sheehan, Derek Sherinian, Jeff Scott Soto und Ron „Bumblefoot“ Thal. Über den Sinn und Unsinn solche Supergroups habe ich mich ja bereits hier ausgelassen, es sollte also klar sein, dass cih nicht zwingend sofort ein feuchtes Höschen bekomme, wenn irgendwelche Megastars plötzlich gemeinsame Sache machen.

Entsprechend fliesst bei mir auch in die Bewertung eines solchen Albums ein, was es alles NICHT ist. Und damit fange ich einfach mal an.

Psychotic Symphony ist ein Band-Album, kein Soloalbum von 5 Musikern
Natürlich klingt die jeweilige Herkunft der Beteiligten teilweise immer mal durch, aber das Album wirkt eben nicht wie zusammengeklebt oder ein ständiges Selbstreferenzieren. Das liegt vielleicht daran, dass gerade die Instrumentfraktion durch die Bank neue Wege geht:

  • Portnoy bedient ein absolut überschaubares Kit und legt sein Spiel durchaus straight an.
  • Sherinian überrascht mit teilweise opulenten Orchestral-Passagen – auch etwas, mit dem er sich in der Vergangenheit nicht gerade einen Namen gemacht hat.
  • Sheehans Bass ist rau, aggressiv und zuweilen over the top, da ihm Thal wiederum dazu genügend Raum lässt.
  • Dieser ist nämlich – wie zu erwarten war – absolut kein Petrucci an der Axt, sondern ein grundsolider Rockgitarrist, der zuweilen sogar etwas überfordert wirkt, gerade in den zumeist etwas uninspirierten Solos. Das geht im Gesamtbild aber absolut okay, denn…

… Sons Of Apollo will eher wie eine proggige Rockband wirken als eine rockige Prog-Band. Die Songs stehen im Vordergrund, nicht der individuelle Hochleistungssport – und das schließt den Kreis zur Überschrift: Das ist ein Band-Album, und das ist auch gut so.

Psychotic Symphony wirkt nicht wie ein Debüt, sondern wie das 3. oder 4. Album
Dass man aus dem Stand in der Lage ist, so tight und souverän auf den Markt zu gehen, ist wirklich erstaunlich und letztendlich der Professionalität aller Beteiligten geschuldet. Nur: Profis sind die ganzen Flying Colors, OSIs und Transatlantics dieser Welt auch, trotzdem ist es dort meiner Meinung nach nicht gelungen, in kurzer Zeit eine derart gut funktionierende Band-Marke an den Start zu bringen. Hut ab.

Psychotic Symphony ist nicht perfekt und bietet noch Luft nach oben
Diese Luft ergibt sich für mich aus den zwei größten Kritikpunkten, die ich an der ganzen Konstellation habe: Die schon erwähnte leicht uninspirierte und limitierte Gitarrenarbeit von „Bumblefoot“ und der Gesang von Jeff Scott Soto.

Bei letzterem habe ich während aller drei Durchläufe des Albums überlegt, ob ich ihn – natürlich absolut subjektiv – für eine Fehlbesetzung halte, und muss das letztendlich mit „Nein“ beantworten. Ich hätte mir insgesamt für SoA einen „moderneren“, will heißen vielseitigeren Sänger gewünscht – Matt Heafy (Trivium), Jesse Leach oder Howard Jones (beide Killswitch Engage) wären da so Namen, die mir einfallen. Mit Soto setzt man aber insgesamt auf einen eher konservativen Rocksänger und wie gesagt: Das ist absolut okay und nicht verkehrt (vor allem in Hinblick auf Radio Airplay), verortet die Band aber gerade für jüngere Zielgruppen eher im Hier und Jetzt bzw. sogar in der Vergangenheit, als dass es eine Vision in die Zukunft wäre.

Mich wundert das ein wenig, vor allem, wenn man z. B. Portnoy kennt, seine Liebe für Muse und seine persönliche Fehde mit „klassischen Rocksängern“ wie James LaBrie. Aber gut, sicher wollte man das Schiff in gewisser Weise auch in Bezug auf den Gesang ein Stück weit in ruhigen Gewässern fahren lassen und da ist Soto eine gute Wahl.

Psychotic Symphony – was es ist
Ein kurzweiliges, komplettes, kompetentes Album einer starken Band.

Es ist ambitioniert, aber nicht ÜBERambitioniert wie vor allem der letzte Output von Dream Theater (sprecht mich bitte nicht auf „The Astonishing“ an, da bekomme ich heute noch Schreikrämpfe).

Es ist ein Album, das Spaß macht, rockt, überrascht und manchmal einfach nur mit deinen Erwartungen spielt.

Es ist ein überzeugendes Album, bei ich am Ende jedes mal sage: Weiter so, eigentlich alles richtig gemacht.